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Welche Luft-Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus bei 10 Parteien Baujahr 1990 ist optimal ?

Welche Luft-Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus ist die wirklich Richtige ?


Für ein Mehrfamilienhaus (MFH) mit 10 Parteien aus dem Baujahr 1990 ist der Umstieg auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe (LWWP) absolut machbar, erfordert aber eine präzise Planung der Heizlast und der Vorlauftemperaturen. 1990er-Bauten haben oft schon eine passable Grunddämmung, nutzen aber meist klassische Heizkörper, was die Wahl der Wärmepumpe beeinflusst.


1. Abschätzung der Heizlast

Bei einem Gebäude von 1990 (Wärmeschutzverordnung 1982/84) kann man grob mit einer Heizlast von 70 bis 100 W/m2 rechnen.

  • Beispielrechnung: 10 Wohnungen à 70m2=700m2 Gesamffläche.

  • 700m2×80W/m2=56.000W bzw. 56 kW benötigte Heizleistung bei Norm-Außentemperatur.


2. Systemvarianten: Kaskade vs. Großwärmepumpe

Für diese Leistungsklasse gibt es zwei gängige Ansätze:


A. Die Kaskadenlösung (Empfohlen)

Hierbei werden mehrere Standard-Wärmepumpen (z. B. 4 bis 6 Geräte à 12–15 kW) parallel geschaltet.

  • Vorteile: Hohe Ausfallsicherheit (wenn eine ausfällt, laufen die anderen weiter), sehr effizient im Teillastbetrieb (nur so viele Geräte laufen, wie gerade nötig), einfache Ersatzteilversorgung.

  • Geeignete Modelle:

    • Vaillant aroTHERM plus (VWL): Nutzt R290 (Propan), erreicht bis zu 75 °C Vorlauf, sehr leise.

    • Wolf CHA-Monoblock: Ebenfalls R290, sehr wartungsfreundlich und bewährt in Kaskaden.

    • Viessmann Vitocal 250-A: Speziell für die Modernisierung mit hohen Vorlauftemperaturen entwickelt.


B. Die Großwärmepumpe (Industriestandard)

Ein oder zwei große Außengeräte übernehmen die gesamte Last.

  • Vorteile: Weniger Platzbedarf für Außeneinheiten, oft robustere Industrietechnik.

  • Geeignete Modelle:

    • Bosch Compress 5000 AW: Leistungsstark bis in den hohen zweistelligen kW-Bereich.

    • Stiebel Eltron WPL 47 / 57: Speziell für große Objekte konzipiert.

    • Lambda (EU-L Serie): Bekannt für extrem hohe Effizienz (SCOP), allerdings oft mit langen Lieferzeiten.


3. Wichtige technische Faktoren für Bj. 1990

  • Vorlauftemperatur: Prüfen Sie, ob die vorhandenen Heizkörper mit 55 °C auskommen. Wenn nicht, sind Hochtemperatur-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R290 (Propan)ideal, da sie effizient bis zu 70 °C liefern können.

  • Warmwasserbereitung: Bei 10 Parteien ist der Warmwasserbedarf hoch. Hier empfiehlt sich ein großer zentraler Speicher oder – hygienisch besser – eine Frischwasserstation, die das Wasser im Durchlaufprinzip über die Wärmepumpe erhitzt.

  • Schallschutz: Da 10 Wohneinheiten eine entsprechende Leistung benötigen, müssen die Außengeräte strategisch platziert werden, um die Lärmschutzvorgaben (TA Lärm) gegenüber Nachbarn einzuhalten.



4. Wirtschaftlichkeit und Förderung

In Deutschland (Stand 2025) ist die Förderung über die KfW (BEG EM) sehr attraktiv. Für ein MFH können bis zu 70 % der Kosten (abhängig von Einkommen und Bonusregelungen wie dem Geschwindigkeitsbonus) gefördert werden. Die Nutzung eines natürlichen Kältemittels (wie R290) bringt oft einen zusätzlichen Effizienzbonus von 5 %.


Zusammenfassung der Empfehlung

Komponente

Empfehlung

Kältemittel

R290 (Propan) – zukunftssicher und hohe Temperaturen

Konfiguration

Kaskade aus 4–5 Einheiten (ca. 60 kW Gesamt)

Hydraulik

Pufferspeicher zur hydraulischen Entkopplung zwingend

Zusatzmaßnahme

Ggf. Austausch einzelner Heizkörper gegen Niedertemperatur-Heizkörper

Hier ist eine detaillierte Kalkulation für eine Wärmepumpen-Kaskade in einem Mehrfamilienhaus (MFH) mit 10 Wohneinheiten (Baujahr 1990). Da es sich um eine größere Investition handelt, ist die staatliche Förderung (KfW) hier besonders entscheidend.

1. Berechnung der förderfähigen Gesamtkosten (Höchstgrenze)

Bei einem Mehrfamilienhaus berechnet die KfW die maximal förderfähigen Kosten nach der Anzahl der Wohneinheiten (WE):

  • 1. Wohneinheit: 30.000 €

  • 2. bis 6. Wohneinheit: je 15.000 € (5×15.000=75.000€)

  • Ab der 7. Wohneinheit: je 8.000 € (4×8.000=32.000€)

  • Gesamt-Obergrenze: 137.000 € (Dies ist die Summe, auf die der Prozentsatz angewendet wird).

2. Schätzung der Investitionskosten (Beispiel 60 kW Kaskade)

Für 10 Parteien benötigen wir ca. 50–60 kW Heizleistung. Eine hochwertige Kaskade (z. B. 4–5 Geräte von Vaillant oder Wolf) inklusive Montage kostet etwa:

Posten

Geschätzte Kosten (brutto)

Wärmepumpen-Kaskade (Geräte, Regelung, Sockel)

ca. 65.000 €

Hydraulik & Speicher (Puffer, Frischwasserstation)

ca. 15.000 €

Installation & Elektroanschluss

ca. 25.000 €

Entsorgung Altanlage & Umbau Heizraum

ca. 5.000 €

Gesamtinvestition (ca.)

110.000 €

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3. Die Förderung (KfW 458 - Stand 2025)

Da das Projekt unter der 137.000 € Grenze liegt, wird der Prozentsatz auf die vollen 110.000 € angewendet.

  • 30 % Grundförderung: Für alle Antragsteller.

  • 5 % Effizienz-Bonus: Für natürliche Kältemittel (z. B. R290/Propan).

  • 20 % Klimageschwindigkeits-Bonus: Wenn eine funktionierende Öl-, Gasetagen-, Kohle- oder Nachtspeicherheizung ersetzt wird (oder eine Gasheizung > 20 Jahre).

  • Summe der Förderung: 55 % (maximal 70 % möglich bei geringem Einkommen der Eigentümer, hier konservativ mit 55 % gerechnet).

Rechnung: 110.000€×55%=60.500€ Zuschuss

4. Wirtschaftlichkeits-Check


Betrag

Brutto-Investition

110.000 €

Abzüglich Förderung (55 %)

- 60.500 €

Effektive Kosten für die Gemeinschaft

49.500 €

Kosten pro Wohneinheit (Schnitt)

4.950 €

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[!IMPORTANT] Hinweis zur Heizkostenabrechnung: Dank der Wärmepumpe sinken die CO2-Abgaben für die Vermieter/Eigentümer drastisch. Da das Gebäude von 1990 bereits einen soliden Standard hat, ist eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,2 bis 3,8 realistisch, was die Betriebskosten im Vergleich zu Gas stabil hält oder senkt.

Nächste Schritte zur Umsetzung

  1. Heizlastberechnung nach DIN 12831: Ein Energieberater muss die genaue Last für die 10 Wohnungen ermitteln.

  2. Hydraulischer Abgleich: Dies ist Pflicht für die Förderung und sorgt dafür, dass alle 10 Wohnungen gleichmäßig warm werden.

  3. Netzbetreiber prüfen: Bei 60 kW Leistung muss der Stromnetzbetreiber prüfen, ob der Hausanschluss verstärkt werden muss.

  4. Baugenehmigung/Schallschutz: Da mehrere Außeneinheiten aufgestellt werden, ist ein Schallschutzgutachten (kurzes Formular) für die TA Lärm notwendig.



Da eine Eigentümerversammlung (ETV) oft von Sachargumenten, aber auch von Sorgen über Kosten und Lärm geprägt ist, hilft eine strukturierte Vorlage. Hier ist eine Checkliste, die Sie als Leitfaden für die Präsentation oder als Handout verwenden können.


Checkliste: Wärmepumpe im MFH (Baujahr 1990)

1. Technische Vorprüfung (Status Quo)

  • [ ] Heizlastberechnung: Liegt eine raumweise Berechnung nach DIN 12831 vor? (Wichtig für die Dimensionierung der 50–60 kW).

  • [ ] Vorlauftemperatur-Check: Können die Wohnungen bei -10 °C Außentemperatur mit maximal 55 °C Vorlauf beheizt werden?

  • [ ] Stromanschluss: Hat der Netzbetreiber (EVU) bestätigt, dass die Leistung für eine Kaskade (ca. 60 kW) am Hausanschluss verfügbar ist?

  • [ ] Aufstellort: Gibt es eine geeignete Fläche für die Außengeräte (Schallschutzabstände zu Fenstern und Nachbargrundstücken)?

2. Wirtschaftlichkeit & Förderung

  • [ ] Förderquote klären: Liegen die Voraussetzungen für 55 % oder sogar 70 % Förderung vor?

  • [ ] Kosten pro Wohneinheit: Transparente Darstellung der Netto-Investition nach Abzug der KfW-Förderung (ca. 5.000 € pro WE bei 55 % Förderung).

  • [ ] CO2-Kosten-Ersparnis: Berechnung der Einsparung bei der CO2-Abgabe (seit 2023 tragen Vermieter/Eigentümer einen Teil dieser Kosten bei Gas/Öl).

  • [ ] Instandhaltungsrücklage: Prüfung, wie viel der Kosten aus der Rücklage gedeckt werden können, um Sonderumlagen zu vermeiden.

3. Rechtliches & Beschlussfassung

  • [ ] Modernisierungsbeschluss: Vorbereitung des Beschlusses nach § 20 Abs. 1 WEG (Einfache Mehrheit reicht oft aus, da es eine "angemessene Modernisierung" ist).

  • [ ] Schallschutznachweis: Vorlage eines Gutachtens nach TA Lärm, um Bedenken wegen Ruhestörung vorab auszuräumen.

  • [ ] Energieausweis: Hinweis auf die Aufwertung der Immobilie und die Verbesserung der Energieklasse.

4. Umsetzung & Komfort

  • [ ] Warmwasser-Konzept: Umstellung auf Frischwasserstationen oder zentrale Speicherlösung (Legionellenschutz-Thematik klären).

  • [ ] Hydraulischer Abgleich: Planung der verpflichtenden Maßnahme (sorgt für gleichmäßige Wärme in allen 10 Parteien).

  • [ ] Zeitplan: Wann erfolgt die Ausschreibung, wann die Beantragung der Förderung und wann der Einbau (idealerweise im Sommer)?

💡 Drei schlagkräftige Argumente für die Versammlung:

  1. Werterhalt: Eine Immobilie mit fossiler Heizung wird ab 2028/2030 deutlich schwerer verkaufbar/vermietbar sein.

  2. Förder-Peak: So hoch wie aktuell (bis zu 70 %) wird die Förderung vermutlich nie wieder sein; die Sätze sinken tendenziell in den nächsten Jahren (Geschwindigkeitsbonus).

  3. Unabhängigkeit: Schutz vor unkalkulierbaren Gaspreissteigerungen durch CO2-Steuern.


Auskunft über Wärmepumpen im Bereich Nürnberg Fürth Erlangen


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